Gerd Trommer

Triumph der Besiegten

Leipzig : Prisma, 1983

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Inhalt

1. Buch "Hoffnung und Niederlage"

1. Mit Hilfe des ehemaligen Gladiators Clodius entkommt der wegen Majestätsbeleidigung zum Tode verurteilte Praetorianer Lucius Rosanus aus dem Kerker des Praetorianerlagers.

2. Der alte und kranke Senator P. Egnatius Celer erhält einen anonymen Brief, der ihn an eine Fehltat vor zwanzig Jahren erinnert. Er bekommt Besuch von seinem Freund Herennius Senecio, der berichtet, wie Domitian sich vom Senat den Titel "Herr und Gott" verleihen ließ. Senecio sucht auch Servius Macrinus auf, der wie er erzürnt über Domitians Tyrannei ist. In der Flucht des Rosanus sehen sie ein Zeichen der Hoffnung.

3. Rosanus besucht seine Frau Servilia, obwohl sie vom Praetorianeroffizier C. Regulus überwacht wird, dem er nur knapp entkommen kann, indem er in ein Haus springt, in dem gerade Celer, Senecio, Arulenus Rusticus und die Witwen von Thrasea Paetus und Helvidius Priscus beisammen sind. Regulus erschlägt Servilia.

4. Regulus wird nach seinem Versagen durch den Sekretär des Kaisers, Entellus, vom Fall des Rosanus abgezogen. Arrecinus Clemens, einer der Freunde des Kaisers, kommt mit einer Nachricht von Domitian aus Alba Longa. Regulus ist auf eigene Faust nach wie vor auf der Suche nach Rosanus. Clodius bekommt dies mit.

5. Domitian berät sich in getrennten Gesprächen mit seinem Polizeiminister Palfurius Sura und mit Arrecinus Clemens über die Frage der Besetzung der wichtigsten Militärkommandos, vor allem in Moesien, wo der Gardepraefect Fuscus gefallen ist. Clemens rät zu Tettius Iulianus, auf den auch Domitians Wahl gefallen ist. Außerdem will Domitian seine verbannte Frau zurückkehren lassen, auf scheinbaren Druck des Volkes.

6. Bei einer Senatssitzung an den Kalenden des Dezember [86 n.] läßt Domitian seine Entscheidungen verkünden: Domitia darf zurückkehren, Tettius Iulianus wird nach Moesien geschickt, Acilius Glabrio als Legionslegat nach Raetien, Maximus als Statthalter in die Germania inferior; Saturnin bleibt Befehlshaber in Germania superior, Civica Cerealis wird zum Proconsul von Asia erlost. Saturnin, Cerealis und Macrinus unterhalten sich über Domitians Herrschaft und die Möglichkeit einer militärischen Rebellion. Saturnin wird von den anderen aufgefordert, sich der beginnenden Verschwörung anzuschließen.

7. Saturnin, dessen Frau Octavia nach einem Sturz vom Pferd gelähmt ist, überlegt, ob er an der Verschwörung teilnehmen soll. Er besucht ein geheimes Treffen in einem Columbarium an der Via Appia.

8. Macrinus wird festgenommen, weigert sich aber auch unter der Folter und im Angesicht Domitians, seine Mitverschwörer zu nennen. Er wird im Kampf von einem Henker getötet.

9. Saturnin, Iulianus, Glabrio und Cerealis werden zu Domitian geladen, um Anweisungen über ihr Verhalten in ihren Provinzen entgegenzunehmen. Auf dem Rückweg teilt ein Unbekannter Saturnin das Schicksal des Macrinus mit. Saturnin berichtet Octavia seine Verwicklung in die Verschwörung. Auf einer Feier bei Cerealis äußert der junge Glabrio Zweifel an den republikanischen Idealen, denen die anderen (Cerealis, Saturnin, Arrecinus Clemens) nachhängen.

10. Clodius bringt Rosanus bei seinem Bruder Sporus unter, der in der Nähe des Legionslagers Vindonissa wohnt. Auf Rosanus' Wunsch erzählt Clodius, wie ein Unbekannter ihn mit Rosanus' Befreiung beauftragt hat. Rosanus plant, nach Ephesos zu gehen.

11. Nachdem Domitian Saturnins Abreise in seine Provinz lange verzögert hat, läßt er ihn endlich gehen. In Vindonissa erfährt Saturnin, daß der Kaiser inzwischen drei Legionstribune hat ermorden lassen. Auch sein Sohn, der Tribun Sentius, ist wütend auf Domitian, weil er sich an die von ihm (wie von Glabrio) geliebte Claudia Ostoria heranmacht. Saturnin will seinen alten Bekannten Sporus besuchen und findet bei ihm Rosanus, den er als Fechtmeister seines Sohnes und Lanista der Gladiatoren Clodius und Sporus kennt.

12. Rosanus geht mit Saturnin nach Mogontiacum, wo er als Fechtausbilder der Legionen dient und verspätet vom Tod seiner Frau erfährt.

13. Lucullus, der neue Statthalter von Britannien, kommt durch Mogontiacum und unterrichtet Saturnin vom Fortgang der Verschwörung. Auch die Sklavin Mikal, die Saturnins Frau ihm mitgegeben hat, hält ihn für capax imperii. Saturnin bereitet sich ein Jahr lang sorgfältig vor. Als er dann erfährt, daß Domitian den Senator Salvius Cocceianus hinrichten ließ und zwei Legionen aus Germanien abziehen will, bricht die Erhebung aus. Saturnins Legionen rufen ihn zum Imperator aus.

14. Domitian ist nach der Nachricht von Saturnins Erhebung zunächst wie gelähmt. Erst nach einiger Zeit läßt er durch Frontinus, den Praetorianerpraefecten Casperius Aelianus und Palfurius Sura Gegenmaßnahmen vorbereiten. Saturnin wiederum kommen leise Zweifel, ob er richtig gehandelt hat. Er will Rosanus nach Ephesos schicken. Rosanus erklärt ihm, daß es ein Fehler war, sich zum Kaiser ausrufen zu lassen, da bisher alle römischen Kaiser, auch Augustus, Tyrannen gewesen seien.

15. Marcus Rosanus, der Sohn des Lucius, kommt auf die Nachricht von der Verhaftung seines Vaters von Alexandria nach Rom. Hier wird er von Arrecinus Clemens aufgenommen und später als Sekretär bei Octavia beschäftigt. Er verliebt sich in sie und beginnt eine Affäre mit ihr, die sich dadurch wieder als Frau fühlt. Als die Nachricht von der Erhebung ihres Mannes kommt, weigert sie sich zu fliehen. Sie wird (ebenso wie Marcus) verhaftet, kann sich aber selbst beim Verhör durch Domitian das Leben nehmen.

16. Saturnin erhält nicht die erhoffte Unterstützung von Maximus, Traian und Glabrio, die vielmehr gegen ihn ausrücken. Er muß versuchen, sie einzeln zu schlagen, und zieht zunächst gegen Glabrio.

17. Bei Vindonissa kommt es zur Schlacht. Saturnin kann die Truppen Glabrios in die Defensive drängen, und Glabrio gibt seine Sache schon verloren, als der Tribun Regulus mit einem Pilumwurf in den Rücken Saturnin tödlich trifft. Die Legionen Saturnins werden nun geschlagen, zumal auch Maximus eintrifft; die Chatten, die ihn in Saturnins Auftrag aufhalten sollten, konnten den Rhein nicht überqueren. Glabrio ist betrübt über seinen Sieg.

2. Buch "Verzweiflung und Triumph"

18. Domitian leidet nach dem Sieg über Saturnin unter Verfolgungswahn und beauftragt Sura, ein lückenloses Überwachungssystem einzurichten.

19. Maximus und Glabrio vernichten Saturnins Korrespondenz. Domitian ernennt Glabrio nicht zu Saturnins Nachfolger, sondern macht ihn zum Praetor in Rom. Glabrio sieht unter der zusammengetriebenen Zivilbevölkerung zwei Männer, denen er die Freiheit gibt. Später erfährt er von Regulus, daß einer von ihnen der gesuchte Rosanus war. Mit Mikal, die ein Kind erwartet, kehrt Glabrio nach Rom zurück.

20. Dort erfährt er, daß der alte Regulus seinen Nachbarn Scaurus denunziert und seinen Besitz übernommen hat. Er kauft den schon am Kreuz hängenden Verwalter Stephanus frei. In Glabrios Villa sind seine Schwester, sein Schwager Senecio und Egnatius Celer.

21. Domitian hat Claudia Ostoria zu seiner Geliebten gemacht.

22. Marcus Rosanus, wieder freigelassen, arbeitet als Schreiber bei Ostorius Sabinus und für dessen Tochter Claudia Ostoria. Er besucht Egnatius Celer, der sich sehr um ihn kümmert.

23. Glabrio ist tief getroffen, als er erfährt, daß Claudia, der er einen Heiratsantrag machen wollte, Geliebte des Kaisers ist. Er kommt allmählich darüber hinweg und freut sich, als Mikal eine Tochter bekommt. Doch das Kind Mikals und Saturnins stirbt bald. Mikal wird jetzt Glabrios Geliebte. Senecio berichtet Glabrio, daß Lucius Rosanus in Wirklichkeit der Sohn des unter Nero hingerichteten Proconsuls Barea Soranus ist. Ankläger war damals Ostorius Sabinus, Belastungszeuge Egnatius Celer, der seine Tat inzwischen bereut und sie gutzumachen versucht.

24. Lucius Rosanus gelangt nach Ephesos, wo er seinen alten Freund Cassius Asclepiodorus nicht findet. Der Procurator Florus, Nachfolger des hingerichteten Proconsuls Cerialis, läßt ihn festnehmen und an den Schandpfahl binden. Der Wanderprediger Apollonius von Tyana und dessen Adoptivtochter Lakotris erbarmen sich seiner und bitten ihn frei. Rosanus lebt fortan bei Lakotris in Ephesos.

25. Der alte Consul Nerva erhält Besuch von Apollonius, der nach Rom gereist ist. Beim Amtsantritt der neuen Consuln Traian und Glabrio [91 n.] kommt es zu einem Vorzeichen, das einem der beiden die Herrschaft, dem anderen den Tod zu bedeuten scheint. Domitian nimmt auch Glabrio in seine Liste der zu Tötenden auf.

26. Egnatius Celer sucht Ostorius Sabinus auf, muß jedoch feststellen, daß der keine Reue über das damalige Vorgehen gegen Barea Soranus zeigt. Apollonius bringt Marcus Rosanus Nachricht vom Schicksal seines Vaters.

27. Zum zehnjährigen Regierungsjubiläum Domitians finden Spiele statt, bei denen der Consul Glabrio mit einem Löwen kämpfen soll. Glabrio bleibt dank eines versteckten Schwerts Sieger und wird begnadigt. Senecio, Celer und Lucius Rosanus besuchen ihn, der sich weigert, mit Mikal Rom zu verlassen, jetzt aber einsehen muß, was für ein Tyrann Domitian ist.

28. Arrecinus Clemens ist seine Tätigkeit als delator und Spion für Domitian leid und gibt sich selbst den Tod, bevor der Kaiser ihn töten lassen kann.

29. Domitian, vom Tod des Clemens schwer getroffen, berät mit seinen Getreuen weitere Verfolgungsmaßnahmen gegen alle Oppositionellen. Regulus erhebt dabei Anklage gegen Glabrio; ferner sollen die Philosophen, darunter Celer, Arulenus und Senecio, verfolgt werden.

30. Celer erhält einen Abschiedsbrief von Arrecinus Clemens und stellt unter großen Mühen seine Darstellung des Prozesses gegen Soranus fertig, in der er mit sich selbst hart ins Gericht geht. Er gibt sie Marcus Rosanus zum Lesen, verrät ihm seine Herkunft aber nicht. Celer erhält Besuch von Senecio und dem in die Verbannung gehenden Glabrio.

31. Marcus Rosanus überbringt, wie Celer es wollte, Claudia Ostoria die Schrift Celers. Sie will von der Schandtat ihres Vaters zunächst nichts wissen, zumal dieser selbst es abstreitet, sucht dann aber Celer auf und läßt sich von ihm überzeugen. Marcus trifft zufällig auf Stephanus, der seit der Verbannung Glabrios bei Domitilla und Flavius Clemens, einem Vetter des Kaisers, arbeitet. Sie gehen in die Schenke von Clodius, der nach Rom zurückgekehrt ist und Marcus vom Schicksal seines Vaters erzählt; er war es auch, der Glabrio in der Arena das Schwert zuspielte.

32. Celer wird festgenommen und zusammen mit Senecio und Arulenus Rusticus öffentlich hingerichtet. Marcus eilt auf dem Richtplatz noch zu ihm, muß der Hinrichtung aber zusehen. Hinterher spricht ihn der Senator Tacitus an. Einige Zeit später fordert Stephanus, der an einer Palastverschwörung beteiligt ist, Marcus auf, den nach Sizilien verbannten Glabrio vor seiner bevorstehenden Hinrichtung zu warnen. Doch Marcus kommt zu spät. Regulus und seine Praetorianer haben Glabrio schon ermordet. Marcus kann zumindest noch Mikal und ihr Kind retten, indem er Regulus tötet.

33. Nach langer Zeit sucht Marcus wieder Clodius' Taverne auf und liest einen hinterlassenen Brief des Celer, aus dem er seine Abstammung erfährt. Am selben Abend erscheint auch Lucius Rosanus mit Cassius Asclepiodorus in der Schenke. Sie wollen mit Marcus in einigen Tagen nach Ephesos aufbrechen.

34. Bei den Spielen zum 15. Thronjubiläum Domitians hält Claudia Ostoria eine Schmährede auf den Kaiser. Dieser will sie nur dann nicht hinrichten lassen, wenn ein Freiwilliger den berühmten Gladiator Balbus besiegt. Marcus Rosanus meldet sich und kann Balbus töten, wodurch er die Begnadigung nicht nur Claudias, sondern auch seines Vaters erlangt.

35. Domitian ist verärgert und plant die Beseitigung der beiden Rosani, von Ostorius Sabinus, Domitia, Stephanus, Entellus, seines Kammerdieners Parthenius sowie der Gardepraefecten Petronius Secundus und Norbanus. Parthenius findet dies heraus und benachrichtigt Entellus, der sich mit den Praefecten und Domitia bespricht. Während die anderen zögern, plant Entellus Domitians Ermordung.

36. Rosanus ist glücklich, mit der geliebten Claudia zusammenzusein. Stephanus informiert ihn von den Attentatsplänen, hat selbst aber zunächst Angst vor der unerhörten Tat. Zusammen mit Entellus und Parthenius ersticht er Domitian, bevor sie von dessen Leibwache getötet werden. In Ephesos hat Apollonius eine Vision von der Ermordung Domitians, woraufhin die Bevölkerung dessen Kultbild niederreißt.

37. Nerva wird zum Kaiser proklamiert. Domitians Amme Phyllis und Domitia schaffen seinen Leichnam heimlich aus dem Palast und verbrennen ihn. In einer Senatssitzung fordert ausgerechnet Ostorius Sabinus die damnatio memoriae für Domitian. Der kranke Corellius Rufus geißelt den Opportunismus vieler seiner Senatskollegen. Nachdem Nerva erklärt hat, daß er seine Herrschaft nicht gegen den Senat führen wird, schildert Tacitus die Unbilden der vergangenen fünfzehn Jahre und beantragt die Rehabilitierung der Familie Soranus. Die Praetorianer unter Führung des ehemaligen Praefecten Casperius Aelianus fordern und erlangen vom eingeschüchterten Nerva die Hinrichtung der Praefecten Norbanus und Secundus.

38. Lucius Rosanus/Soranus sinnt im Haus des Celer über sein Schicksal nach. Er fühlt sich nicht als Sieger und möchte den ihm zustehenden Senatssitz nicht einnehmen, sondern nach Ephesos zurückgehen.

Bewertung

Trommers interessanter Roman geht von einer prinzipiell traditionellen Sicht Domitians als Tyrann aus, gewinnt dem Thema aber einige interessante Aspekte ab. Hervorzuheben ist die starke Basierung auf den antiken Quellen, die eine Reihe Personen auftreten läßt, die sonst nur selten in einem historischen Roman zu finden sind (man vergleiche allerdings Lion Feuchtwangers Der Tag wird kommen). In einem Anhang sind hier die wichtigsten dieser Personen mit einem kurzen Hinweis auf eventuelle Abweichungen von den historisch bezeugten Tatsachen zusammengestellt.

Das erwähnte Domitianbild mit allem, was dazugehört, vor allem der Verschwörung einiger Senatoren, wird von der neueren Forschung (z. B. Brian W. Jones, Pat Southern) in diesem Umfang nicht mehr bestätigt, aber Domitian ließ erwiesenermaßen Senatoren töten, die sich zu oft widersetzt hatten. Bis zu einem gewissen Maß kooperierte Domitian mit dem Senat, solange dieser seine führende Rolle anerkannte (in der neuesten Domitian-Biographie von 1997 hat Pat Southern seine paranoiden Züge betont). Trommers Darstellung läßt sich zumindest nicht als unhistorisch abtun, wenn sie auch einen veralteten Forschungsstand wiedergibt, der sich auch in Einzelheiten spüren läßt (siehe unten).

Die Herkunft des Werkes aus der damaligen DDR ist erstaunlicherweise nur ansatzweise spürbar. So durchzieht das Buch zwar ein ständiges Streben nach Freiheit und Kampf gegen die Tyrannis, getragen von Personen, die sich als die "Besiegten" empfinden, aber gemeint sind damit überwiegend Oberschichtangehörige, zumal Senatoren, woran deutlich wird, daß Trommer die Perspektive der römischen Geschichtsschreibung, zumal des Tacitus, übernommen hat. Die unterdrückten "Volksmassen", vor allem die Sklaven, denen eigentlich die besondere Aufmerksamkeit eines Autor in der Tradition des sozialistischen Realismus gebührt hätte, tauchen dagegen nur am Rande auf und sind selbst in einer privilegierten Position (z. B. Entellus oder Stephanus, der freilich einmal ans Kreuz geschlagen wird). Nur an einer Stelle werden die Sklaven hervorgehoben, und sie ist auch prompt unerträglich, nämlich die gänzlich apokryphe Geschichte, wie Augustus tausende Sklavensoldaten habe töten lassen (113-114); ähnliches gilt für die Dezimierung der vier obergermanischen Legionen (166).

Reiner "lip service" ist es wohl, wenn einmal Spartacus erwähnt und in seiner Bedeutung als Freiheitssymbol mit Saturnin gleichgesetzt wird. Bei dieser Thematik kommt generell leicht eine unhistorische Akzentuierung hinein, so die Behauptung gleich mehrerer Romanfiguren, die Ausrufung der Republik wäre eine echte Möglichkeit gewesen.

Trommer hat sich, wie gesagt, an den Quellen orientiert, allerdings mit einigen kleinen Abweichungen. Wenn Glabrio statt Maximus für die Niederwerfung des Saturninus-Aufstands verantwortlich ist, wird in der Geschichte selbst erklärt, warum die Überlieferung davon nichts weiß (158 und öfter).

Der Bericht des Celer über den Prozeß gegen Soranus ist eine wörtliche Wiedergabe von Tac. ann. 16, 21-35 (mit einer kleinen Hinzufügung über L. Soranus). Dies wird auch ausdrücklich erklärt (355; Tacitus bittet um die Erlaubnis, Celers Darstellung verwenden zu können). Die Anfangsworte des Agricola werden von Tacitus im Senat vorgetragen (350), als Einleitung zu seinem Antrag auf Rehabilitierung des Soranus.

Rosanus' Kampf gegen den Gladiator Balbus erinnert an zwei berühmte Arenaszenen der Romanliteratur, nämlich den Kampf des Glaucus gegen einen Löwen in Last Days of Pompeii und das Eintreten des Ursus und des Marcus Vinicius für Lygia in Quo Vadis.

Das Christentum spielt kaum eine Rolle, auch wenn es kurz erwähnt wird; dafür ist der von Philostrat geschilderte Wunderwirker Apollonios von Tyana vertreten. Mit Mikal und Saturnins jüdischem Arzt spielt das Judentum eine gewisse Rolle, wenn auch keine so große wie in Feuchtwangers Der Tag wird kommen, der ebenfalls Domitians Gewaltherrschaft gegen den Senat schildert.

Der Usurpationsversuch des Saturninus ist hier zum ersten Mal, soweit ich sehe, in der historischen Romanliteratur behandelt worden. Obwohl Trommers Saturnin etwas einseitig positiv gezeichnet wird, muß der Autor so viel Gefallen an ihm gefunden haben, daß er ihm einige Jahre später ein ganzes Buch gewidmet hat.

Gerade in Anbetracht der Herkunft ein überraschend vielseitiges Werk, das auch eines der wenigen historischen Romane ist, die in den Osten des Imperiums (Ephesos) ausgreifen. Es kann, auch wenn formal und sprachlich eher konventionell gehalten, mit einigen Abstrichen und unter Berücksichtigung seiner Gesamttendenz als gelungener Versuch einer Darstellung der Regierung Domitians gelten. Einige Fehler und Mißverständnisse zeigen, daß der Verfasser gewisse Besonderheiten der römischen Verfassung und Gesellschaft falsch verstanden hat, wenn sich auch vielfach eine gute Recherche zeigt:

Kleinere Lapsus:

Personen

Trommer läßt zahlreiche aus der Überlieferung bekannte Personen, vor allem Senatoren, in seiner Geschichte erscheinen. Deshalb ist es interessant, die Ergebnisse der modernen prosopographischen Forschung ergänzend heranzuziehen. Die folgende Auflistung soll bei den wichtigsten Figuren zum einen ihre Rolle in der Romanhandlung (R), zum anderen die wichtigsten bekannten historischen Tatsachen (H) aufführen. Geordnet ist wie üblich nach Gentilizien, soweit bekannt.

M.' Acilius Glabrio
R: Schwager des Herennius Senecio. Legionslegat von Raetien.
H: PIR2 A 67. Mitglied des consiliums Domitians (Juv. 4, 94-96). Cos. ord. 91. Von Domitian im selben Jahr den Löwen vorgeworfen, verbannt, später getötet. Die Heirat seiner Schwester mit Herennius Senecio ist fiktiv.
L. Antonius Saturninus
H: cos. suff. 82, Befehlshaber des obergermanischen Heeres.
M. Arrecinus Clemens
R: Freund des Kaisers.
H: cos. 73, II 85. Mit den Flaviern verschwägert.
Arria
H: Witwe des Thrasea Paetus
T. Aurelius Fulvus
R: als gewesener Consul Statthalter von Raetien und dort verstorben (46, 128).
H: PIR2 A 1510. cos. II ord. 85. Amicus des Kaisers; Großvater des Antoninus Pius. Sein gleichnamiger Sohn war cos. ord. 89.
Casperius Aelianus
H: Praetorianerpraefect unter Domitian und Nerva.
Cassius Asclepiodorus
R: Kaufmann aus Ephesos, Freund des Barea Soranus und seiner Familie (14).
H: Im taciteischen Bericht über den Prozeß gegen Soranus als Bithynier.
Clodius
R: ehemaliger Gladiator.
M. Cocceius Nerva
H: cos. ord 71; II 90.
P. Cornelius Tacitus
H: Der bekannte Geschichtsschreiber, cos. suff. 97.
P. Egnatius Celer
R: Alter Senator, von Krankheit und Schuld geplagt.
H: sagt 66 im Prozeß gegen seinen Schüler Barea Soranus aus (Tac. ann. 16, 32, 2; Cass. Dio 62, 26, 1-2), 70 verbannt (Tac. hist. 4, 10 und 40, 3).
Entellus
R: Sekretär Domitians.
H: a libellis am Ende der Herrschaft, einer der Attentäter.
Fannia
H: Tochter des Thrasea Paetus, Witwe des Helvidius Priscus.
Sex. Iulius Frontinus
R: "von Domitian mehrfach zurückgesetzt, als <er> auf ein neues Amt oder eine Provinz hoffte".
H: war in führender Position (als comes oder Statthalter) am Chattenfeldzug 83 beteiligt; procos. Asiae ca. 85.
Herennius Senecio
R: Freund des Egnatius.
H: Quaestor vor 93; in diesem Jahr zusammen mit den Consularen Arulenus Rusticus und Helvidius von Domitian getötet.
Q. Iunius Arulenus Rusticus
H: cos. suff. 92, im folgenden Jahr zusammen mit Helvidius und Herennius Senecio getötet.
A. Buccius Lappius Maximus (zur Namensform siehe oben)
H: cos. suff. 86, II 95, III 100. 88/89 Legat von Germania Inferior.
Licinius Norbanus
R: Nachfolger der Aurelius Fulvus als Procurator von Raetien, beim Alpenübergang verletzt und deshalb von Glabrio vertreten.
H: aktiv an der Niederschlagung des Saturninus-Aufstands beteiligt und wohl deshalb zum Praetorianerpraefecten befördert.
Servius Macrinus
R: Teilnehmer an der Senatsverschwörung.
H: Ev. einer der Korrespondenten des Plinius.
Q. Marcius Barea Soranus
H: Proconsul von Asia. Unter Nero hingerichtet.
Ostorius Sabinus
R: Beantragt den Titel "dominus et deus" und die Rückberufung Domitias, später die Damnatio memoriae Domitians.
H: Delator unter Nero, Ankläger des Barea Soranus.
Palfurius Sura
R: Polizeiminister.
H: Senator und Redner, zeitweilig verbannt.
C. Regulus
R: Offizier der Praetorianer. Sein Vater ist ein berüchtigter Delator.
H: M. (nicht Manius, so 271) Aquillius Regulus, cos. ca. 80, tatsächlich als delator tätig.
L. Rosanus
R: ehemaliger Praetorianer, Sohn des Barea Soranus.
Sallustius Lucullus
H: Statthalter von Britannien, von Domitian getötet; unklar, ob in eine Verschwörung verwickelt.
Salvius Cocceianus
H: Von Domitian getöteter Senator (PIR1 S 110; Suet. Dom. 10, 3).
Tettius Iulianus
H: cos. 83. 87/88 Statthalter von Moesia superior, siegreich in der Schlacht von Tapae über die Dacer.
Sex. Vettulenus Civica Cerialis
H: cos. ca. 72, procos. Asiae 87/88, im Amt hingerichtet, Grund dafür unklar.

Weitere Meinungen

Erdmann Steinmetz, ID 42/89 (BA 12/89):

"Der zeitlich vor "Wahn der Macht" (BA 5/89) spielende Roman aus dem Rom Kaiser Domitians (81-96) erzählt von Intrigen, Verfolgungen und politischen Morden unter der Schreckensherrschaft eines zuletzt vom Verfolgungswahn getriebenen Tyrannen. In spannenden Szenen und lebendigen Dialogen entsteht ein farbiges Zeitbild, das in seiner Schilderung von staatlicher Willkür, diktatorischem Wahn und Freiheitsdrang durchaus zeitlose Züge trägt. Dabei kommen Liebhaber von Schlachtenszenen und Gladiatorenkämpfen ebenfalls auf ihre Kosten. Der Roman ist einfacher zugänglich als "Wahn der Macht" und kann entsprechend breit empfohlen werden."

Anmerkungen

1. Grundlegend die Untersuchung von J. Assa, in: Akte des IV. Internationalen Kongresses für griechische und lateinische Epigraphik (Wien, 1964), S. 31-39. [zurück]

2. Plin. pan. 14, 2-3; vgl. J. Bennett, Trajan (London, 1997), S. 234, Anm. 3. [zurück]

2. Juni 2007: Tippfehler.